Start Gartengestaltung Streitthema Grenzbepflanzung – wenn Nachbarn wegen Gartenpflanzen streiten

Streitthema Grenzbepflanzung – wenn Nachbarn wegen Gartenpflanzen streiten

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Nachbarschaftsstreitigkeiten sind keine Seltenheit. Allzu oft landen Nachbarn vor Gericht, weil die Grenzbepflanzung für Streit an der Grundstücksgrenze sorgt. Manchmal ist es das Laub, das vom eigenen ins Nachbargrundstück geweht wird, manchmal ist es das Fallobst, das vom eigenen Baum in den Garten des Nachbarn fällt: Rund um den Garten können viele Dinge einen großen Nachbarschaftsstreit auslösen. In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Regeln Sie bei der Grenzbepflanzung beachten müssen, damit Sie im Streitfall wissen, was zu tun ist.

Grenzbepflanzung | © panthermedia.net / alexraths
Grenzbepflanzung | © panthermedia.net / alexraths

Die drei häufigsten Streitthemen bei der Grenzbepflanzung

Ein Nachbarschaftsstreit ist meist langwierig und zerrt an den Nerven aller Beteiligten. Aus diesem Grund sollten Sie darauf achten, Streit gar nicht erst entstehen zu lassen. Ein häufiger Streitauslöser ist die Grenzbepflanzung am Gartenzaun. Im Folgenden erfahren Sie Ihre Rechte und Pflichten bei den gängigsten Streitthemen am Gartenzaun.

Grundstücküberschreitende Äste und Wurzeln

Eines der häufigsten Streitthemen sind Äste von Hecken und Bäumen, die über den Gartenzaun hinaus auf das Nachbargrundstück reichen. Ebenfalls führen Wurzeln von Sträuchern und Bäumen, die unterirdisch auf das Grundstück des Nachbarn vordringen, oft zu Clinch.

Wenn dadurch die Grundstücksnutzung beeinträchtigt wird, ist der Grundstücksbesitzer von Nebenan berechtigt, eine Beseitigung zu verlangen. Allerdings sieht §910 BGB vor, eine angemessene Frist zu setzen, damit der Verpflichtete botanische wie auch gärtnerische Belange berücksichtigen kann.

Konkret bedeutet dies: Ein Rückschnitt darf nicht in der Wachstumsperiode verlangt werden. Liegt tatsächlich eine nachweisbare Beeinträchtigung des Klägers vor und wurde die Frist vom Beklagten nicht eingehalten, darf der Kläger störende Äste und Wurzeln selbst kappen. Dabei ist im Rahmen der Selbsthilfe zwingend zu beachten, dass die Maßnahme die Standfähigkeit des Gewächses nicht gefährden darf.

Hecken und Bäume an der Grundstücksgrenze

Oft lösen auch Hecken und Bäume, die zu nah an der Grundstücksgrenze stehen und Schatten über den Gartenzaun werfen, Zwist aus. In jedem Bundesland gibt es andere Vorschriften, was den vorgeschriebenen Mindestabstand der Pflanzen zur Grundstücksgrenze oder ihre zulässige Maximalhöhe betrifft. Hat der Nachbar Bäume oder Sträucher zu nah an die Grundstücksgrenze gepflanzt oder überschreiten sie die zulässige Maximalhöhe, dürfen Sie von ihm verlangen, diese umzupflanzen bzw. zurückzuschneiden.

Wichtig: In diesem Fall sollten Sie rechtzeitig Beschwerde einlegen. In den meisten Bundesländern verjährt der Anspruch auf Beseitigung des Gewächses. Ist dieser Anspruch einmal verjährt, bleibt er dauerhaft verjährt. Dies gilt selbst dann, wenn der Nachbar sein Grundstück verkauft und der Grundstücksbesitzer wechselt. Mehr dazu können Sie in diesem Ratgeber auf immowelt.de nachlesen.

Wenn Laub und Fallobst auf dem Nachbargrundstück landen

Apfelbaum | © panthermedia.net / Subbotina
Apfelbaum | © panthermedia.net / Subbotina

Herbstlaub und Fallobst gehören ebenfalls zu den häufigsten Konfliktthemen unter Nachbarn. Was das Herbstlaub angeht, können Baumbesitzer gelassen bleiben: Gerichte erkennen regelmäßig an, dass man auf Laubverwehungen keinen Einfluss hat. Klagende Nachbarn müssen fremdes Laub im eigenen Garten hinnehmen und selbst entfernen. Allerdings gibt es hier eine Ausnahme: Nach §906(2) BGB kann der Besitzer des Laubbaums zur Zahlung einer sogenannten Laubrente verpflichtet werden. Dies ist aber äußerst selten der Fall und gilt nur, wenn durch besonders viel Laubaufkommen die Nutzung des Nachbargrundstücks unzumutbar stark beeinträchtigt ist.

Neben Laubverwehungen ist auch Fallobst ein gängiges Streitthema unter Nachbarn. Fällt Obst vom eigenen Baum auf das benachbarte Grundstück, gehört das Fallobst rechtmäßig dem Nachbarn. Handelt es sich um eine unzumutbare Menge an Fallobst, kann Ihr Nachbar Sie auffordern, das Fallobst einzusammeln. Falls dies nicht erfolgt, darf er eine Firma mit dem Auflesen des Fallobstes beauftragen und von Ihnen die Zahlung der Rechnung verlangen.

Reife Früchte, die am Baum hängen, gehören grundsätzlich dem Besitzer des Baums – auch wenn die Äste auf Nachbars Grundstück hinüberreichen. Er darf die Früchte nicht pflücken oder den Baum manipulieren, sodass das Obst zu Boden fällt. Allerdings dürfen auch Sie nicht ohne ausdrückliche Erlaubnis des Nachbarn dessen Grund und Boden betreten, um ihr Obst vom Baum zu ernten.

Die Grenzbepflanzung ist in den Bundesländern unterschiedlich geregelt

Jeder Grundstücksinhaber ist gut beraten, sich ausführlich über die Regelungen der Grenzbepflanzung zu informieren, um einen Streit am Gartenzaun zu vermeiden. Die gesetzlichen Regeln rund um die Grenzbepflanzung unterliegen dem Landesrecht, sodass jedes Bundesland seine eigenen Nachbarrechtsgesetze (NachbG) hat.

In Bundesländern wie z. B. Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Rheinland-Pfalz, Berlin und Thüringen wird für bestimmte Pflanzen ein jeweils individueller Mindestabstand zur Grundstücksgrenze vorgegeben.In den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und Hamburg nimmt man es etwas lockerer und empfiehlt für Pflanzen mit bis zu zwei Metern Höhe einen Abstand von 50 Zentimetern und für höhere Pflanzen einen Abstand von mindestens 100 Zentimeter zur Grundstücksgrenze.

In Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Bayern richtet sich der einzuhaltende Mindestabstand nach der Wuchshöhe der Pflanzen.

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